Oberhausen und Dinslaken:

Fachleute fordern eine neue Schulpolitik

Stefan Zimkeit, Ayla Çelik, Harald Willert (Quelle: Büro Zimkeit)

„Der Schulerfolg von Kindern ist viel zu oft vom Geldbeutel und dem Bildungsabschluss der Eltern abhängig“, sagte der Landtagsabgeordnete Stefan Zimkeit (SPD) zu Beginn eines Gesprächs mit Fachleuten aus NRW, Oberhausen und Dinslaken. „Die Ungleichheit hat sich in der Pandemie noch mal verschärft.“

Ayla Çelik, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), wies auf den immensen Lehrkräftemangel in NRW hin. „Jedes fünfte Kind lebt unter armen Verhältnissen. Diese brauchen mehr denn je gute und ausreichend viele Lehrerinnen und Lehrer.“

Harald Willert, Vorsitzender der NRW-Schulleitervereinigung, beklagte eine zunehmende „Herabwürdigung“ des Lehrerberufs bei gleichzeitig steigenden Aufgaben für Schulleitungen und Lehrkräfte. „Was die jetzt während Corona machen, hat mit dem ursprünglichen Beruf nichts mehr zu tun.“

Christian Alders, Leiter der Grundschule Schwarze Heide, sagte, dass die Besoldung der Grundschullehrkräfte mit A13 aus Sicht seiner Schule längst überfällig sei. Er stieß mit seiner Forderung auf die Zustimmung aller Teilnehmenden des Fachgesprächs. An vielen Grundschulen seien gerade mal noch 50 Prozent der Beschäftigen ausgebildete Lehrer, sagte Karl-Heinz Hamm, Vorsitzender der GEW im Kreis Wesel.

Franziska Schürken hatte als Schülerin des Sophie-Scholl-Gymnasiums eine vielbeachtete Petition für ein gerechtes Abitur auf den Weg gebracht. „Wir sind mit großen Lernlücken in das neue Schuljahr gestartet, die nie aufgearbeitet wurden. Es ist eine Schande, dass Schülerinnen und Schüler über ihre eigene Bildung nicht mitentscheiden dürfen“, kritisierte sie NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Thomas Hinsenkamp von der Stadtschulpflegschaft Oberhausen ergänzte die Kritik: „In der Coronazeit sind die Schulen vom Ministerium allein gelassen worden.“ Konzepte, wie mit digitalen Methoden umzugehen sei, hätten gefehlt.

Dinslakens Jugendamtsleiter Holger Morsek forderte mehr Sozialarbeit an den Schulen. „Es gibt erstmals eine Generation von Kindern, denen immer gesagt wird, wie schlecht es ihnen geht. Wir haben ganz viele Kindern im schulpsychologischen Dienst gehabt, die eine ‚3‘ haben.“

Benedikt Jochheim, Leiter des Ganztags an der Wunderschule, kritisierte, dass die Erfahrungen des offenen Ganztags in die Durchführung des Corona-Aufhol- und des Ferienprogramms nicht einbezogen worden ist. „Der Wunsch der Kinder nach Bildung ist enorm. Die Kinder wollten gar nicht in den Urlaub“, erinnerte er sich an die Schultage vor den Ferien.

Ayla Çelik und Harald Willert sprachen sich dafür aus, „Ungleiches ungleich zu behandeln“. Eine große Zahl an Schulen im Ruhrgebiet und dessen Umkreis brauche viel mehr Ressourcen. Der von der Landesregierung vertretene „Sozialindex“ sei Augenwischerei, sagte Willert, denn das Geld werde weiterhin zum größten Teil nach dem Gießkannenprinzip verteilt.

Stefan Zimkeit versprach, sich für eine Finanzierung entlang eines effektiven schulscharfen Sozialindexes einzusetzen. „Wir werden sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen, um für gleich gute Bildungschancen für alle Kinder zu sorgen“, unterstrich der SPD-Finanzexperte.

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