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MdL Sonja Bongers:

„Junges Wohnprojekt des CVJM absolut vorbildlich“ – Öffentlich geförderter Wohnraum muss deutlich ausgebaut werden

Architektin Sabine Buß und Stefan Weltgen (CVJM) erklären der SPD-Landtagsabgeordneten Sonja Bongers das Projekt

„Den Weg, den das CVJM Oberhausen hier beschreitet, ist genau der Richtige. Günstigen Wohnraum für junge Menschen, die auf dem Weg in berufliches Leben sind, so zu fördern, bezeichne ich als gelungen“, sagte die Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion und Landtagsabgeordnete Sonja Bongers beim Besuch des Bauprojekts an der oberen Marktstraße. In dem Wohnprojekt können 20 junge Leute im Alter von 18 bis 25 Jahren leben. Die Appartements sind rund 25 Quadratmeter groß. Dazu kommen Gemeinschaftsräume, Küche, ein Gästezimmer und der neugestaltete Innenhof. 2023 soll der Umbau abgeschlossen sein.

„Das Angebot richtet sich an Azubis, Studenten oder auch an junge Leute, die ohne starke Unterstützung der eigenen Familie ihre erste eigene Wohnung beziehen. Unter den 20 Appartements sind zwei für Menschen mit Einschränkungen“, erläutert Diakonie-Geschäftsführer und CVJM-Vorstand, Stefan Weltgen, das Wohnmodell.

Beratung bei Bedarf

Dass ein Jugendverband zum Bauträger wird und damit auch zum Stadtentwickler, kommt nicht so häufig vor. „Wir wollen mit diesem Projekt etwas schaffen, dass so etwas wie ein eigener Kosmos ist und ein hohes Maß an Selbstbestimmung ermöglicht. Leute unterschiedlicher sozialer Herkunft leben und erfahren sich hier gemeinsam“, so Weltgen. Flankiert wird das Ganze von pädagogischem Fachpersonal jedoch mit Einschränkungen.

„Wir wollen die Bewohner nicht permanent betreuen. Aber wenn es nötig ist, bei Behördenangelegenheiten, finanziellen Beratungen zur Schuldenvermeidung, psychosozialer Beratung oder ähnlichem stehen wir gerne zur Seite. Besonders junge Menschen, die außerhalb der eigenen Familie aufwachsen, verfügen häufig nicht über die ausreichende Unterstützung. Und dadurch, dass sie ihre vorherige Wohngruppe verlassen, entfallen erst einmal die Bezugspersonen. Das versuchen wir aufzufangen“, so Weltgen weiter. Rund vier Millionen Euro kostet die energetische Sanierung des Baus aus den 1950er Jahren. Rund 1,3 Millionen Euro kommen aus einem Fördertopf der Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW.

Gemeinsamer Lernprozess

„Solche Projekte, wie das jetzt hier in Oberhausen, bieten echte Möglichkeiten. Gerade für Leute, die auch aus ländlichen Regionen ins Ruhrgebiet kommen, weil sie hier eine Lehrstelle antreten, ist das sehr gut. Bislang hatte man immer viel zu sehr Studierende im Blick. Von daher ist es gut, dass auch Azubis hieran teilhaben. Gemeinsam eine Community zu organisieren, wird für alle ein Lernprozess sein“, sagt Bongers.

Generell unterstützt die SPD-Politikerin den Ausbau von neuen Wohnformen und den sozialen Wohnungsbau. „Wohnungsunternehmen der Kommunen oder Genossenschaften bieten den Vorteil, das Mietniveau vor Ort nach unten zu regulieren. Zudem sind, wenn wir die Möglichkeiten schaffen, diese Unternehmen sehr aktiv im Bau von Sozialwohnungen. Nicht jede Kommune verfügt über eigene Wohnungsbauunternehmen. Da wollen wir mit Gründung einer Landeswohnungsbaugesellschaft die Lücke auffüllen.“

Die Gründe für günstiges Wohnen sind für Bongers vielschichtig und werden auch langfristig belasten. „Die Inflation steigt aufgrund der Konflikte und der Corona-Pandemie stetig, dazu werden die Löhne nicht mehr so erhöht, dass die steigenden Preise aufgefangen werden. Wir kennen das alle, der Einkauf kostet heute ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Beim Wohnen wird es für die Leute dramatisch, faktisch sinkenden Löhne bei gleichbleibenden oder sogar steigenden Mieten, dazu die enormen Energiepreise für Strom und Gas – das zwingt viele Menschen in die Knie.“

Selbst Gutverdienende trifft der Preisanstieg deutlich. „Der Wunsch nach einer eigenen Immobilie wird für viele sehr schwierig. Wer kann schon mehr als eine halbe Million Euro für ein Haus bezahlen. Da muss gerade für junge Familien ein guter Start über erschwingliche Mietwohnungen realisiert werden. Oder Senioren. Ist man zu zweit geht das vielleicht noch, aber verstirbt der Partner oder die Partnerin, dann reicht es nicht mehr für die Miete und den Rest. Hier muss der Staat regulieren und nicht der Markt.“

Neue Wohnmodelle denken

Die Möglichkeiten, Wohnraum zu erschließen, sind vielfältig. Von daher sieht Bongers die Situation pragmatisch. „Man sollte auch über Modelle nachdenken, in denen Senioren ihre zu großen Häuser auf eigenen Wunsch öffnen für junge Familien und somit Wohnraum schaffen. So kann der Mietpreisspirale etwas entgegengesetzt werden.“

Besonderen Nachholbedarf sieht Bongers im Abrufen von Fördermitteln für den Wohnungsbau. „Es kann eigentlich nicht sein, dass das Land NRW rund 1,1, Milliarden Euro zur Verfügung stellt, aber die Kommunen das Geld nicht abrufen, weil es keine Mitarbeiter oder entsprechenden Verwaltungen in den Städten und Gemeinden gibt, die sich darum kümmern.“

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