
Sonja Bongers ist Erste Bürgermeisterin der Stadt Oberhausen und Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen
Die SPD-Landtagsabgeordnete Sonja Bongers hat sich angesichts der zunehmenden Kriminalität gegenüber Seniorinnen und Senioren dafür ausgesprochen, dass NRW ein Maßnahmenpaket zur verbesserten Strafverfolgung und Prävention betrügerischer Vermögensdelikte gegen ältere Menschen entwickelt. „Egal ob Enkeltrick, Schockanrufe oder Betrug – seit einigen Jahren registriert die Polizei vermehrt Straftaten bei denen ältere Menschen von dreisten Tätern abgezockt werden“, erklärt Bongers.
Breites Band an Delikten
Im Zentrum stehen vor allem Betrugsdelikte, bei denen sich Täterinnen und Täter als Angehörige ausgeben und ihre Opfer mit massivem Druck zu hohen Geldzahlungen bewegen – etwa beim sogenannten „Enkeltrick“ oder bei Schockanrufen. Dazu kommen noch Betrugsmaschen, in denen sich die Täter zum Beispiel als Polizeibeamte ausgeben und unter dem Anschein amtlicher Autorität persönliche Informationen oder Vermögenswerte erschleichen.
Vermehrt häufen sich auch Fälle, bei denen Täterinnen und Täter Vertrauensbeziehungen ausnutzen. So missbrauchen Angehörige, Pflegekräfte oder andere nahestehende Personen ihre Funktion. Die Delikte reichen von illegalen Geldtransfers via Bankkarte und PIN, Missbrauch von Vollmachten oder Unterschlagung von Vermögenswerten.
„Hier werden immer gezielt altersbedingt erschwerte Lebenslagen wie etwa eingeschränkte Mobilität, körperliche oder kognitive Beeinträchtigungen oder Abhängigkeiten in Pflege- und Betreuungssituationen ausgenutzt“, so die SPD-Rechtsexpertin.
Rund 14600 Straftaten – hohe Dunkelziffer
Allein im Jahr 2025 wurden diesbezüglich in Nordrhein-Westfalen 2.603 Inlandsstraftaten statistisch erfasst, die einen Gesamtschaden von rund 34,1 Millionen Euro verursachten. Die Zahl der entsprechenden Auslandsstraftaten liegt mit insgesamt 11.949 registrierten Fällen noch einmal deutlich höher. Auch die entsprechenden Schadenssummen dürften damit in diesen Fällen noch deutlich höher liegen.
„Für viele Betroffene bedeuten solche Taten nicht nur erhebliche finanzielle Verluste, sondern mitunter existenzielle Einschnitte. Dazu kommen noch die Straftaten, die gar nicht erst angezeigt werden. Gerade im höheren Lebensalter ist deshalb davon auszugehen, dass der Anteil nicht angezeigter Taten – das sogenannte Dunkelfeld – deutlich größer ausfällt. Oft werden aus Schamgefühl solche Fälle nicht zur Anzeige gebracht“, so Bongers weiter.
Geldinstitute mobilisieren
„Wir brauchen gezielte Maßnahmen und Präventionsangebote wie das Erkennen von Betrugsmustern bei Bargeldabhebungen in Banken oder Missbrauch von EC-Karten im Pflegebereich. Hier sind die Banken und Sparkassen gefragt“, so Bongers. Dass es geht, zeigen Beispiele aus Oberhausen. „Offenbar führt der sensible Umgang von Mitarbeitenden der Geldinstitute durchaus zum Erfolg. Bei der Sparkasse in Oberhausen zum Beispiel konnten betrügerische Abhebungen von Konten verhindert werden“, sagt Bongers.
Bessere Vernetzung internationaler Behörden – Täter oft aus dem Ausland
Dazu kommt noch die Verfolgung von Tätern aus dem Ausland. Ein erheblicher Teil der Betrugsstraftaten wird von Tätergruppierungen aus dem Ausland, wie der Türkei, aus verschiedenen ost- und südosteuropäischen Staaten sowie auch aus Regionen Südasiens begangen. Schnellere Auskunftsersuchen mit ausländischen Polizeibehörden könnten hier helfen.
Auch würde es Sinn machen, Ermittler speziell dauerhaft zu schulen, da die Maschen der Täter sich immer weiterentwickeln. Zudem sollte der Einsatz von KI-basierten Ermittlungsmodellen bei betrügerischen Vermögensdelikten forciert werden“, so Bongers abschließend.

