
Der Bildungsforscher Prof. Kai Maaz spricht deshalb auch von einem „blockierten System“. Nordrhein-Westfalen ist von diesen Entwicklungen in besonderer Weise negativ betroffen und trägt als bevölkerungsreichstes Bundesland eine besondere Verantwortung für Bildungschancen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und durch Bildung begründete Wachstumspotentiale.
Gleichzeitig zeigen die Daten des Bildungsberichts, dass gerade hier erheblicher Handlungsbedarf besteht, weil sich in NRW viele der beschriebenen Herausforderungen in besonderer Intensität bündeln und unmittelbar auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen auswirken. Dabei wird besonders deutlich, dass der Bildungserfolg weiterhin und in den letzten Jahren wieder verstärkt von der sozialen Herkunft abhängt und Bildungsungleichheiten häufig bereits vor dem Schuleintritt entstehen und sich über die gesamte Bildungsbiografie hinweg fortsetzen und vom Schulsystem nicht kompensiert werden.
In Nordrhein-Westfalen wächst rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen unter mindestens einer sozialen oder bildungsbezogenen Risikolage auf, wodurch sich frühe Nachteile im weiteren Bildungsweg häufig verfestigen. Gerade in sozial belasteten Stadtteilen und Regionen zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich, wo Schulen unter erhöhter sozialer Segregation, steigenden Förderbedarfen und gleichzeitig oftmals angespannten personellen Ressourcen arbeiten. Damit entscheidet sich ausgerechnet dort, wo die Herausforderungen am größten sind, in besonderer Weise, ob Chancengleichheit tatsächlich eingelöst wird oder nicht.

