Chancengleichheit braucht seelische Gesundheit:

Kinder und Jugendliche besser unterstützen, Teilhabe stärken

Die Befragung des Schulbarometers der Robert-Bosch-Stiftung zeigt bei der Befragung der Schülerinnen und Schüler deutlich, dass viele Kinder und Jugendliche unter seelischen Belastungen leiden. Mittlerweile weist jede vierte Schülerin bzw. jeder vierte Schüler Hinweise auf eine erhöhte seelische Belastung auf: 15 Prozent gelten als psychisch auffällig, weitere zehn Prozent liegen im Grenzbereich. Gegenüber dem Vorjahr ist damit erneut ein Anstieg zu verzeichnen.

Besonders besorgniserregend ist, dass sich diese Belastungen sozial ungleich verteilen. Kinder und Jugendliche aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen sowie Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind deutlich häufiger betroffen. In diesen Gruppen liegen die Werte von Verhaltensauffälligkeiten mit 31 beziehungsweise 36 Prozent weit über dem Durchschnitt. Gleichzeitig berichten sie deutlich häufiger von einer geringen Lebensqualität und einem geringen schulischen Wohlbefinden.

Die seelischen Belastungen zeigen sich nicht nur in diagnostischen Kategorien, sondern im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Viele berichten von einer geringen Lebensqualität, Einsamkeit, fehlender sozialer Zugehörigkeit und einem geringen schulischen Wohlbefinden. Besonders ausgeprägt sind diese Belastungen bei bereits verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern. Viele Schülerinnen und Schüler erleben schulische Belastungen durch Leistungsdruck, Überforderung und Prüfungsängste. Gleichzeitig berichten zahlreiche Kinder und Jugendliche von fehlender Motivation und dem Eindruck dauerhaft hohen Anforderungen ausgesetzt zu sein.

Besonders betroffen sind junge Menschen, die bereits seelisch belastet sind oder unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen. Ein besonders enger Zusammenhang besteht zwischen seelischer Belastung und Mobbingerfahrungen. Kinder und Jugendliche, die regelmäßig Mobbing erleben, weisen deutlich häufiger Verhaltensauffälligkeiten auf. Mobbingprävention ist deshalb ein zentraler Baustein jeder Strategie zur Förderung seelische Gesundheit.

In diesem Zusammenhang muss man auch deutlich machen, dass mehr als 30 Prozent der Eltern nicht ausreichend über die bestehenden Unterstützungsangebote informiert sind. Gesundheitsförderung und Prävention sind systematisch und verbindlich in Schulen und Kindertageseinrichtungen zu verankern. Hier muss sichergestellt werden, dass die seelische Gesundheit und Einsamkeitsprävention als fester Bestandteil schulischer Gesundheitsbildung etabliert wird.

Dazu bieten sich Präventionsprogramme zu Resilienz, Stressbewältigung, Medienkompetenz, Einsamkeit sowie zum Umgang mit seelischen Belastungen an. Das Modellprogramm des Bundes „Mental Health Coaches“, Trainer für seelische Gesundheit, sollte mit Landesmitteln auf weitere Schulen ausgeweitet und die Anwendung in Kindertagesstätten und Tageseltern geprüft werden.

Sinnvoll wäre auch ein eigenes Konzept zur Mediensuchtprävention für die Schulen zu entwickeln, das auch die Auswirkungen eines starken und reflektierten Konsums von SocialMedia-Inhalten thematisiert. Dazu kämen noch Maßnahmen gegen Mobbing und Cybermobbing an allen Schulen.

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