
Immer mehr Wohnungslose
NRW weist seit Jahren hohe Fallzahlen auf: Zum Stichtag 30. Juni 2024 wurden in NRW 122.170 wohnungslose Personen gemeldet, ein neuer Höchststand der integrierten Wohnungsnotfall-Berichterstattung. Bund und Länder haben sich das Ziel gesetzt, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden. Die Bundesregierung hat dazu einen Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit vorgelegt. NRW beteiligt sich im Rahmen der Landesinitiative „Endlich ein ZUHAUSE!“.
Die Landesregierung verweist beim Thema Obdachlosigkeit zudem auf ergänzende Maßnahmen wie Sommerhilfen zum Hitzeschutz und Kältehilfen im Winter. „Diese Maßnahmen sind wichtig, sie ersetzen aber keine dauerhafte, kommunal tragfähige Infrastruktur und keine verlässliche Finanzierung niedrigschwelliger Hilfen im öffentlichen Raum. Über die Hälfte der obdachlosen Menschen weisen eine Suchterkrankung auf“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Sonja Bongers.
Handeln und Helfen
Genau deshalb ist eine eng verzahnte psychosoziale, medizinische und suchtspezifische Unterstützung entscheidend, um Obdachlosigkeit zu vermeiden und Wege zurück in Wohnen zu eröffnen. Besonders sichtbar werden die Probleme dort, wo Menschen ohne Schutzräume im öffentlichen Raum leben oder konsumieren: auf Plätzen, an Bahnhöfen, in Innenstädten. Kommunen erleben Konflikte um Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung, gleichzeitig aber auch eine konkrete gesundheitliche Gefährdungslage für die Betroffenen.
Ein sozialdemokratischer Ansatz nimmt beides ernst: Handeln und Helfen. „Drogenkonsumräume sind nach § 10a Betäubungsmittelgesetz zulässig und in NRW landesrechtlich näher geregelt. Sie reduzieren Risiken des Konsums, verhindern Konsum im öffentlichen Raum und sind vor allem Andockpunkte in Beratung, Substitution, medizinische Versorgung und Ausstiegshilfen“, so Bongers.
Mehr integrierte Strategien
Damit Kommunen solche Einrichtungen als Teil kommunaler Sicherheits- und Hilfekonzepte aufbauen und dauerhaft betreiben können, brauchen sie jedoch verlässliche finanzielle und organisatorische Unterstützung.
Internationale und nationale Erfahrungen unterstreichen, dass integrierte Strategien wirken: Zürich setzt seit Jahrzehnten auf die Vier-Säulen-Politik aus Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression und hält dafür mehrere Kontakt- und Anlaufstellen bereit, um Szenen zu entzerren.
Frankfurt am Main entwickelt den „Frankfurter Weg“ mit einem neuen Suchthilfezentrum weiter, das Konsumräume, medizinische Hilfe, Beratung sowie Aufenthalts- und Ruheangebote bündelt. Solche Ansätze zeigen: Mit klarer Zuständigkeit, niedrigschwelliger Hilfe vor Ort und konsequentem Vorgehen gegen Handel und Gewalt lassen sich Belastungen im öffentlichen Raum reduzieren, ohne Menschen zu verdrängen.
