GEW und SPD diskutierten über die Zukunft der Schule in NRW:

Eine Schule für alle!

Norbert Müller, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW NRW, und Wolfgang Große Brömer (MdL), Vorsitzender der Oberhausener SPD, diskutierten über die Verbesserung des NRW-Schulsystems

Norbert Müller, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW NRW, und Wolfgang Große Brömer (MdL), Vorsitzender der Oberhausener SPD, diskutierten über die Verbesserung des NRW-Schulsystems

„Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft unserer Kinder“, mit diesen Worten eröffnete Cornelia Schiemanowski, Vorsitzende des Stadtverbandes Oberhausen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die gemeinsame Veranstaltung von GEW und SPD zur Zukunft des Schulsystems in NRW. Unter dem Motto „Eine Schule für alle?“ diskutierten Norbert Müller, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW NRW, und Wolfgang Große Brömer (MdL), Vorsitzender der Oberhausener SPD, über Möglichkeiten zur Verbesserung des Schulsystems.

Rückschrittliche Schulpolitik verhindert Chancengleichheit der Kinder

Einleitend wurde ein Filmausschnitt gezeigt, in dem sich Pisa-Forscher Andreas Schleicher zur wissenschaftlichen Bewertung des gegliederten Schulsystems äußerte. Darin machte Schleicher deutlich, dass selektive Schulsysteme wie in Deutschland zu schlechteren schulischen Leistungen führen und insbesondere Kinder aus sozial schwächeren Familien benachteiligen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass das selektive Schulsystem in NRW, das Kinder schon nach der vierten Klasse in unterschiedliche Schulformen sortiert, die Bildungschancen vieler Kinder verringert. So wurde bemängelt, dass sprachliche Defizite der Kinder mit Migrationshintergrund durch die Schule nicht ausgeglichen werden können.

Scharf kritisiert wurde dabei das neue Schulgesetz der schwarz-gelben Landesregierung. Es sei rückschrittlich und zementiere zum Schaden der Kinder das selektive Schulsystem in Nordrhein-Westfalen, so Norbert Müller.

Bärbel Weniger schilderte die Probleme des Schulsystems aus ihrer Sicht als Hauptschullehrerin. Sie verwies darauf, dass die Hauptschule schleichend aussterbe und Schülerinnen und Schüler dieser Schulform kaum berufliche Perspektiven hätten.

Michael von Tettau, Leiter des Bertha von Suttner Gymnasium betonte, dass die viel beschworene Durchlässigkeit des gegliederten Schulsystems in der Realität oft nicht funktioniere. Der Wechsel in eine Schulform, die einen höheren Abschluss ermögliche, fände fast nicht mehr statt. Von Tettau kritisierte, dass die Selektion im Schulsystem zur Zeit verstärkt werde, statt sie abzubauen.

Wie soll die Schule der Zukunft aussehen?

Christel Jungmann, Moderatorin der Veranstaltung, verwies darauf, dass bei der Diskussion um die Zukunft des Schulsystems vieles in Bewegung sei. So fordern zwei CDU-Bürgermeister im Münsterland die Einführung einer Gemeinschaftsschule, in Baden-Württemberg fordern über 100 Schulleiter die Abschaffung des gegliederten Schulsystems und in Schleswig Holstein führt die große Koalition die Gemeinschaftsschule ein.

Norbert Müller skizzierte die Vorstellungen der GEW zur Entwicklung der Schule in NRW. Die GEW strebe eine Schule für alle Schülerinnen und Schüler an, in der alle Schulabschlüsse erworben werden könnten. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Veränderung der Schulstruktur zwar notwendig sei, um die bestehenden Probleme zu beseitigen, aber längst nicht ausreiche. Er ließ keinen Zweifel daran, dass dies nicht zum Nulltarif zu haben sei. Zur Verbesserung bedürfe es kleinerer Klassen, einer Senkung der Pflichtstunden für Lehrer und einer verbesserten Lehreraus- und Fortbildung. „Wir brauchen ein breites Bündnis gesellschaftlicher Gruppen, um die Entwicklung des integrativen Schulsystems zu fördern“, so Müller.

Dem stimmte Wolfgang Große Brömer bei der Erläuterung der SPD-Positionen ausdrücklich zu. Nach dem Willen der SPD soll die Ausstattung der Schulen verbessert werden, indem die Hälfte der zusätzlichen Steuereinnahmen des Landes in den Bildungsbereich investiert wird und gleichzeitig die durch sinkende Schülerzahlen freiwerdenden Mittel nicht gekürzt, sondern im Bildungsbereich belassen werden. Auch Große Brömer sieht in der Qualitätsentwicklung der Schulen den entscheidenden Schlüssel zur Verbesserung des Bildungssystems. Eine umfassende und nachhaltige Qualitätsverbesserung sei aber nur in einem veränderten Schulsystem zu erreichen. Die SPD befürworte die Einführung einer wohnortnahen Gemeinschaftsschule, in die alle Kinder von der 5. bis zur 10. Klasse gingen. Dabei könne es unterschiedliche Modelle geben, so etwa eine interne Differenzierung in Haupt-, Realschul- und Gymnasialzweige, aber auch ein vollständig integriertes System bis Klasse zehn.

Im Rahmen der Diskussion erläuterte Regina Trampnau, neue Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Oberhausen, die Vorstellung ihres Verbandes zur Entwicklung des Schulsystems. Der VBE befürwortet ebenfalls eine Schule, in der ein Lehrerteam alle Schüler vom Jahrgang 5 bis 10 gemeinsam unterrichtet. Es ginge unter anderem auch darum, den Eltern die Angst zu nehmen, beim Wechsel in die 5. Klasse die falsche Entscheidung für ihr Kind zu treffen.

In der folgenden Diskussion wurden weitere schulpolitische Aspekte angesprochen. So wurde gefordert, die finanzielle Ausstattung der Schulen zu verbessern, Schüler der Förderschulen stärker in das Schulsystem zu integrieren und die Diskussion um das Schulsystem nicht mit Lehrerschelte zu verbinden. Ebenso wurde darauf verwiesen, dass die Gesamtschulen unter schwierigen Bedingungen versuchen, integrative Ansätze zu verwirklichen und dabei gute Arbeit leisten. Gewarnt wurde davor, bei der Einführung einer Gemeinschaftsschule nicht durch zu starke innere Differenzierung die Probleme des gegliederten Schulsystems fortzuschreiben.

Neue Bewegung für neue Schulen

Wolfgang Große Brömer verwies darauf, dass es notwendig sei, für die Veränderung des bestehenden Schulsystems eine breite Unterstützung zu organisieren. Große Brömer: „Wir müssen die Menschen mitnehmen“. Norbert Müller begrüßte, dass sich die SPD in der Frage der Entwicklung des Schulsystems bewegt habe.

GEW und SPD kündigten an, die bildungspolitische Debatte fortzusetzen. Gemeinsam mit allen, die erkannt haben, dass das gegliederte Schulsystem bildungspolitisch versagt hat, sollen Möglichkeiten der Veränderung diskutiert werden. Ziel sei es, eine Entwicklung hin zu einem integrierten Schulsystem einzuleiten, das allen Schülerinnen und Schülern gleiche Chancen einräumt, individuell fördert und niemanden zurücklässt.

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